Nachtrag zum Besuch der Leipziger Buchmesse
Am 19.03.2026 waren die Füchse auf die Leipziger Buchmesse mit dem Auftrag Wissenswertes aus der Vielzahl an Veranstaltungen zwischen den unzähligen Büchern und MangaComicCon-Besuchenden mitzunehmen.
Dieser Frage wollten wir nachgehen und haben so den Vortrag von Frau Alexandra Andersen im Forum Bildung aufmerksam verfolgt. Frau Andersen konnte mit ihrer langjährigen Erfahrung als Gymnasiallehrerin sehr anschaulich darstellen, warum emotionale Intelligenz sowohl für Lernende als auch für Lehrende wichtig ist und welche Rolle KI dabei spielt. Was haben wir inhaltlich mitgenommen?
Emotionale Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit, eigene Gefühle sowie die Emotionen anderer Menschen wahrzunehmen, zu verstehen und angemessen darauf zu reagieren. Im Alltag zeigt sie sich besonders darin, wie wir mit Stress, Konflikten und zwischenmenschlichen Situationen umgehen. Menschen mit gut entwickelter emotionaler Intelligenz handeln bewusster, reflektieren ihr Verhalten und bleiben auch in herausfordernden Momenten handlungsfähig, anstatt impulsiv zu reagieren.
Im täglichen Leben bedeutet das zum Beispiel, Ärger nicht sofort ungefiltert auszudrücken, sondern innezuhalten und die eigene Reaktion zu überdenken. Ebenso gehört dazu, die Perspektive anderer einzunehmen und deren Gefühle zu berücksichtigen. Diese Fähigkeit stärkt Beziehungen, verbessert die Kommunikation und trägt zu einem respektvollen Miteinander bei.
Besonders bedeutend ist emotionale Intelligenz im Umgang mit Lernenden. Kinder entwickeln ihre emotionalen Kompetenzen erst im Laufe der Zeit und orientieren sich stark an ihrem sozialen Umfeld. Erwachsene – insbesondere Eltern und Lehrkräfte – haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion. Ihr Verhalten prägt maßgeblich, wie Schüler*innen lernen, mit ihren eigenen Gefühlen und den Emotionen anderer umzugehen.
Ein zentraler Bestandteil emotionaler Intelligenz ist Empathie, also die Fähigkeit, sich in die Gefühle eines Lernenden hineinzuversetzen. Wenn Erwachsene die Emotionen von Kindern ernst nehmen und ihnen Rückmeldung geben, fühlen sie sich verstanden und akzeptiert. Aussagen wie „Ich sehe, dass du traurig bist“ oder „Du bist gerade wütend, das ist in Ordnung“ helfen Kindern dabei, ihre Gefühle zu erkennen und sprachlich auszudrücken.
Darüber hinaus ist es wichtig, Lernenden konkrete Strategien im Umgang mit starken Emotionen zu vermitteln. Dazu zählen einfache Methoden wie bewusstes Atmen, kurze Auszeiten oder das Gespräch über belastende Situationen. Solche Strategien unterstützen Kinder & Jugendliche dabei, ihre Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern konstruktiv damit umzugehen.
Gleichzeitig brauchen Lernende klare Grenzen und Orientierung. Emotionale Intelligenz bedeutet nicht, jedes Verhalten zu akzeptieren, sondern angemessen darauf zu reagieren. Ein ruhiger, konsequenter Umgang vermittelt Sicherheit und hilft, Regeln zu verstehen und einzuhalten.
Langfristig fördert ein emotional intelligenter Umgang nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern auch sozialen Kompetenzen bei Lernenden aller Altersstufen. Schüler*innen lernen, Konflikte fair zu lösen, Rücksicht zu nehmen und Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu übernehmen. Diese Fähigkeiten sind entscheidend für ihren schulischen Erfolg, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen und ihre persönliche Entwicklung.
Insgesamt ist emotionale Intelligenz eine zentrale Schlüsselkompetenz im Alltag. Sie unterstützt sowohl Erwachsene als auch Kinder dabei, Herausforderungen besser zu bewältigen, stabile Beziehungen aufzubauen und ein respektvolles sowie empathisches Miteinander zu gestalten.
Die emotionale Intelligenz in 4 Ebenen
Ebene 1: Beziehung vor Inhalt
Wer glaubt, Lehrende unterrichten ausschließlich Mathematik, Deutsch oder Biologie irrt grundlegend. Lehrende
• unterrichten Beziehung – durch Mathematik
• unterrichten Sicherheit – verpackt in Inhalte
• unterrichten Regulation – vermittelt über Fachdidaktik
Die KI kann sicher Inhalte auf schnellem Weg vermitteln, aber es braucht den Menschen, um die Inhalte situationsangepasst Lernenden nahe zu bringen und gleichzeitig aufkommende Unsicherheiten zu beseitigen, Stärken zu fördern und Zwischentöne wahrzunehmen. Schule soll nicht nur Wissen vermitteln, Bildungseinrichtungen bereiten vor: auf Lebenslanges Lernen, den späteren Arbeitsalltag, den Umgang mit Konflikten und das Finden des eigenen Platzes in der Gesellschaft.
Ebene 2: Affektbewusstsein – die Mikrosekunden-Kompetenz.
Welches (Schüler-/Lehrer-) Verhalten aktiviert mich sofort und bringt mich innerlich aus der Balance?
Welches Gefühl genau entsteht in mir in diesen Moment?
Welches Bedürfnis wird bei mir verletzt oder bedroht?
Künstliche Intelligenz kann keine Gefühle widerspiegeln und auch nicht wissen, was für Bedürfnisse der Einzelne gerade jetzt hat, Mitmenschen schon.
Ebene 3: Affekttoleranz – die Kunst des Nicht-Sofort-Reagieren
= die Fähigkeit einen starken inneren Impuls auszuhalten ohne sofort zu handeln
Ebene 4: Co-Regulations-Kompetenz
= die bewusste Nutzung eines eigenen regulierten Zustands, um anderen Menschen Regulation anzubieten. Statt der Reaktion: „Reiß dich zusammen!“ oder „Reg dich nicht so auf!“ in die Co-Regulation zu gehen: „Ich bleibe ruhig, damit du es werden kannst.“
Wir waren begeistert von diesem Vortrag und wenn ihr gern mehr zu der Arbeit von Alexandra Andersen erfahren wollt, dann schaut gern auf ihre Website: https://www.alexandra-andersen.de/